Bonner Seen

Ein Bericht mit zwei Filmen, neun Panoramen und hundertfünfundachtzig Fotos von Chris Mennel

Auf der Karte liegen die vier von mir besuchten Orte - mit zwei romantischen Seen, einem verschwundenen See und einem belanglosen See - hinter Ramersdorf. Bewohner der Region sagen, es handele sich um die Seen bei Oberkassel. Eine Bonner Freundin beschrieb das Gebiet, in dem die Seen liegen, als "Landschaft des Ennert". Das erscheint mir von der wilden Art des Waldes, der aber wenig richtig hohe Bäume hat, der lehmige Böden bietet voller Auf und Ab, als die beste Beschreibung für Menschen, die schon mal "im Ennert" waren.

Aber ich darf vermuten, liebe Besucher: Nur jeder hundertste von euch kennt die Ortschaft Oberkassel, und nur jeder Tausendste durchstreifte schon mal den Ennert. Ihr dürftet zumeist von weiter weg stammen. Da lasse ich Verortungen wie "Ramersdorf" bleiben und sage: Lasst uns nach den "Bonner Seen" sehen.

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Die Behörden machen für die paar Quadratkilometer Seen-Region eine Menge Brimborium, dass man da doch "die Natur" schützen solle und nicht auf einem Dutzend wunderbarer Trampelpfade die Seen erkunden solle. Nun erlauben die gleichen Behörden an anderer Stelle in Deutschland seit jeher das Plattmachen großer Naturgebiete. Eine gewaltige Autobahn rauscht zum Beispiel nebenan.

Und diese eine spezielle Region um die Seen ist "Romantik pur" für Menschen. Sie lässt sich aber nur mit Aufwand absichern. Die Seen liegen in Steinbruchlöchern. Senkrechte Felsen umsäumen sie. Also haben die Behörden, um sich abzusichern, zahme Zäune, durch die man locker steigen kann - bloß kein Stacheldraht, da würden die Behörden auch schon wieder haften, weil jeder unbeaufsichtigte Jugendliche klettert durch und will sie sehen, die Seen - im Abstand von zehn bis dreißig Metern um die Felsen herum errichten lassen. Drei Schilder sind mir begegnet, dass Anwesenheit für nicht-behördliche Menschen an den Seen verboten sei.

Wer sich an den Bonner Seen an die Behörden-Auflagen hält, bekommt sie nicht zu sehen. Gerade mal ein Aussichtspunkt wurde am Dornheckensee eingerichtet, bei dem man durch Laub hindurch in der Ferne den Rhein sieht und im Winter, wenn das Laub fehlt, vielleicht einen Hauch See mitbekommt.

Ich unterstütze die Behörden jetzt in der für mich bequemen Form - also mit Unterlassungen, wie sie selbst es sich gerne einrichten - indem es auf dieser Homepage keine Karte gibt, die verrät, wo die Seen liegen. Und natürlich dann noch mein Verbot: Leute, ihr dürft da nicht hingehen. Denn die Behörden verbieten es.

Wir kommen schrittweise zum Wesentlichen und Besonderen dieser Seite. Ich sehe sie als Gegenpol zu meinem Madrid-Besuch 2010, der meine im Internet verschenkten Reise-Bericht-Reihe eröffnet: Dort Bauten und die üblichen vertrauten Touristenziele. Hier Natur, und die Aufforderung: Bleib weg. Es gab vor "Madrid" gefühlte fünfzig und von 2010 bis aktuell 2021 auch nochmal etwa zehn Reisen, deren Berichte ich nicht hinaus ins Internet posaune. Ich wollte dem Prinzip "Reisen" mit etwa zwanzig im Internet verschenkten Ortsbesuchen nahe kommen - und fühle mich da derzeit angelangt.

Das Spezielle am Besuch bei den Bonner Seen 2021 ist wie in Madrid 2010, dass ich allein unterwegs bin. Ansonsten bleibt mein Motto weitgehend, dass Reisen für mich ein Spaß zu zweit oder in einer Gruppe sein möchte. Auch vor dem Besuch der Seen hatte ich einen Bekannten aus Ramersdorf gefragt, ob er nicht mit mir unterwegs sein wolle - aber er hatte nicht die Zeit. Das half mir bei meiner Unternehmung, weil ich mich ja in einem Bereich aufhielt, in dem laut Behördenschildern Lebensgefahr herrschte. Das stimmt schon irgendwie: Um die Bonner Seen herrscht Lebensgefahr. Etwa so viel wie an jedem deutschen Bahnhofsgleis.

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