Chris Mennel: Fotobericht aus Rothenburg ob der Tauber

Marktplatz Panorama ] Mauer Panorama ] Markt ] Show ] Besichtigen ] Start ] Namen ] Schön ] Wehrtürme ] Tunnelkirche ] Vergangen ] Foodporn ] Colmberg ] Impressum ]

Ich kenne beim Durchlaufen von Rothenburg die Namen und Geschichten der Gebäude nicht. Die Bilder wirken trotzdem. Eine gewisse Ahnungslosigkeit behalte ich auch bei auf dieser Homepage.

Im Internet schaue ich, ob es eine Karte gibt vom Einflussbereich Rothenburgs in seinen fetten Zeiten: Nicht so richtig. Also nehme ich mein Foto einer Karte, die vor Ort angeboten wurde. Bei meiner Recherche lese ich, dass im Dreißigjährigen Krieg siebzig Prozent der Stadtbevölkerung starben: Ein Untergang 1618-1648.

Warum diese zu damaliger Zeit sehr große Stadt weiter durch die Zeit wanderte, ohne dass sie von wilhelminischen, Fünfziger-Jahre- und Postmoderne-Gebäuden heimgesucht wurde, finde ich auf die Schnelle nicht heraus: Ein historisches Wunder. Die Stadt ist aber kaum gegen Autos gesperrt, und Fahrzeuge verhässlichen die Gassen trotz fehlender Neubau-Versuche.

Rothenburg blieb nach meinem Gefühl eben ohne Bedeutung nach dem dreißigjährigen Krieg. Es erreicht nun die Touristen, die "Deutschland in drei Tagen" und "Europa in zehn Tagen" durcheilen.

Donate und mich erreicht Rothenburg für vier Stunden. Wir erkennen, dass man diese bis auf die Autos hübsche Mittelalter-Großstadt zwei Tage lang durchstreifen kann. Hier kommen Vier-Stunden-Ausschnitte inklusive eines ganzjährigen Weihnachtsmarktes. Das Ganzjährige gefällt mir: Feste müssen nicht am offiziellen Datum kleben, finde ich.

Eigentlich waren Donate und ich 30 km entfernt eingeladen auf die Burg Colmberg am 21.5.2022 zu einer "Corona-Geburtstags-Feier": Also der eigentliche Anlass unseres Besuches liegt eineinhalb Jahre zurück. 2020 und 2021 waren Gruppentreffen verboten. Weil 2022 mehrere Wahlen in deutschen Bundesländern anstanden, wurde der Lockdown beendet. Die Krankheit hat sich dadurch natürlich verbreitet: Omikron, der aktuelle Corona-Virus, kreist in Deutschland mit Seuchentempo während unseres Besuches.

Ich vermeide Gruppen-Ansammlungen, weiß aber wohl, dass ich riskant lebe. Einige Tage nach diesem Wochenende in Colmberg und Rothenburg darf ich aufatmen: Mal wieder nicht angesteckt. Zwei Drittel meiner Bekannten haben allerdings mittlerweile die unerfreuliche Bekanntschaft von Omikron gemacht. Anders als bei vorhergehenden Corona-Varianten sorgt dieses vielfach mutierte "Omikron" halt "nur" für hohes Fieber und wochenlanges Erschöpftsein bei Leuten, die sich haben impfen lassen. Nicht-Geimpfte kenne ich gerade nur von sehr ferne. Die Krankenhäuser und Friedhöfe sind im Ergebnis trotz praktisch fehlenden Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr überlastet wie während der vorangegangenen zwei Corona-Jahre.

Aus dem privaten Geburtstag auf Burg Colmberg fische ich hier nur die Seite "Foodporn" heraus und mische sie unpassend passend hinein in Rothenburg-Fotos. Ich vermute, dass ich nicht nochmal Damwildbraten und Mandelklöße serviert bekomme. Auch eine Reise :-)

Colmberg wie Rothenburg liegen im Frankenland. Die Gaststätten dort und auch die Menschen betonen das recht häufig. Namens-Koppel-Länder wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg können kein solch geschlossenes Nationalgefühl vermitteln. Die Franken haben Nationalgefühl nötig: Ihr offizielles Bundesland heißt "Bayern" und ist im Frankenland eben etwas Fernes.

Das Golden-Wein-Bild hier auf der Startseite verkündet: Dieser Bericht ist hinter konventionellen Fotos doch ein bisschen eigenwillig. Die Hauptkäufer des angebotenen Kitsches kommen von fern her und lesen exklusiv in Rothenburg ihnen bekannte Wortsymbole.